LBCA-Wissensbibliothek – Coaching-Wissen für Ausbildung und Praxis
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Mehr InformationenWelche Coaching Ausbildung Sie nicht machen sollten. Worauf ist zu achten?
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Mehr InformationenWarum eine Coach-Ausbildung machen? Für wen bringt es etwas?
Die LBCA-Wissensbibliothek ist ein wachsendes Nachschlagewerk für alle, die Coaching fundiert verstehen und wirksam anwenden möchten. Hier finden Sie verständlich aufbereitetes Wissen zu Coaching-Tools und Methoden, Kommunikation, persönlicher Entwicklung und professioneller Coaching-Praxis. Ergänzt wird die Sammlung durch Orientierung rund um Coaching-Ausbildungen, Qualitätsmerkmale und Zertifizierungen. Die Beiträge laden dazu ein, Begriffe nachzuschlagen, Hintergründe zu vertiefen und neue Impulse für die eigene Arbeit und Entwicklung mitzunehmen.
Themenbereiche:
- Coaching-Grundlagen und die professionelle Rolle als Coach
- ICF, Coaching-Kompetenzen und professionelle Qualität
- Kommunikation und Führung
- Werte, Glaubenssätze und persönliche Entwicklung
- Fragetechniken und Coachingmethoden
- Systemisches Coaching, NLP und Aufstellungsarbeit
- Resilienz, Leitbild und erlebnisorientiertes Coaching
- Konfliktklärung und Zusammenarbeit
- Prägende Autoren und Ansätze
Coaching-Grundlagen und die professionelle Rolle als Coach
Die International Coaching Federation versteht Coaching als partnerschaftlichen, gedankenanregenden und kreativen Prozess, der Klienten dabei unterstützt, ihr persönliches und berufliches Potenzial zu entfalten. Daraus folgt eine besondere Rollenverteilung: Der Coach ist nicht der Experte für das Leben des Coachees. Er gestaltet einen verlässlichen Prozess, hört genau zu, fragt, spiegelt Beobachtungen, regt neue Perspektiven an und unterstützt den Transfer in konkrete Schritte.
Zur professionellen Rolle gehören eine klare Vereinbarung über Ziele und Rahmen, Vertraulichkeit, Respekt vor der Autonomie des Coachees sowie die Fähigkeit, eigene Bewertungen und Interessen zurückzustellen. Der Coach darf Wissen oder Beobachtungen anbieten, sollte dies aber kenntlich machen und die Entscheidung beim Coachee lassen. Nach den ICF-Kernkompetenzen gehören ethisches Handeln, eine coachende Haltung, Vertrauen, Präsenz, aktives Zuhören, Bewusstseinsbildung und die Unterstützung von Entwicklung zusammen.
Professionelle Verantwortung zeigt sich auch in Grenzen. Ein Coach diagnostiziert und behandelt keine psychischen Erkrankungen, sofern er dafür nicht zusätzlich qualifiziert und in einer ausdrücklich anderen Rolle tätig ist. Werden Beratung, Training oder Mentoring sinnvoll, muss der Rollenwechsel transparent vereinbart werden.
Im Coaching entwickelt der Coachee mit Unterstützung des Coachs eigene Einsichten und Lösungen. Beratung liefert dagegen stärker fachliche Analysen und Empfehlungen. Ein Trainer vermittelt Wissen oder Fertigkeiten nach einem geplanten Lernkonzept. Ein Mentor bringt eigene Erfahrung aus einem Feld ein, öffnet Zugänge und teilt Orientierung. In der Praxis können sich diese Formate berühren; entscheidend ist, dass Rolle und Erwartung klar bleiben.
Psychotherapie dient der Behandlung psychischer Erkrankungen und psychisch bedingter Leiden. Sie setzt eine entsprechende Heilerlaubnis und therapeutische Qualifikation voraus. Coaching richtet sich grundsätzlich an Menschen mit ausreichender Selbststeuerungsfähigkeit und bearbeitet Entwicklungs-, Entscheidungs-, Rollen- oder Leistungsthemen. Auch im Coaching dürfen Gefühle, biografische Erfahrungen und belastende Situationen vorkommen. Die Grenze ist nicht „Vergangenheit versus Zukunft“, sondern Auftrag, Ziel, Schweregrad und Behandlungsbedürftigkeit.
Ein seriöser Coach erkennt Warnsignale, überschätzt die eigene Kompetenz nicht und empfiehlt bei Bedarf ärztliche oder psychotherapeutische Unterstützung. Hat eine Person mehrere Qualifikationen, muss sie deutlich sagen, in welcher Rolle sie gerade arbeitet. Transparenz schützt den Klienten und die Qualität des Prozesses.
Eine weltweit einheitliche Definition gibt es nicht. Die maßgeblichen Verbände betonen jedoch ähnliche Kernelemente: Professionalität, partnerschaftliche Beziehung, Entwicklung, Selbststeuerung, klare Vereinbarungen und ethische Verantwortung.
Die International Coaching Federation beschreibt Coaching als Partnerschaft in einem gedankenanregenden und kreativen Prozess, der das persönliche und berufliche Potenzial des Klienten fördert. Der Deutsche Bundesverband Coaching fasst Coaching stärker als professionelle Beratung, Begleitung und Unterstützung von Personen in Führungs-, Steuerungs- und Expertenrollen und betont berufliche Lern- und Leistungsprozesse. Die Systemische Gesellschaft hebt ein aufgabenbezogenes, ressourcen- und lösungsorientiertes Beratungsformat im Organisationskontext hervor. EMCC Global verbindet Coaching und Mentoring mit Entwicklung, Lernen, Standards und verantwortlicher professioneller Praxis. Der QRC setzt seinen Schwerpunkt auf Qualität, partnerschaftliche Haltung, Zertifizierung und kontinuierliche Weiterbildung.
Die Unterschiede zeigen verschiedene Traditionen: Die ICF formuliert besonders klientenzentriert und potenzialorientiert, der DBVC stärker im Business-Kontext, systemische Verbände stärker kontext- und beziehungsbezogen. Gemeinsam ist ihnen, dass professionelles Coaching mehr ist als Motivation oder das Verteilen guter Ratschläge.
Im Sport ist „Coach“ meist ein anderes Wort für Trainer. Ein Fußballcoach entscheidet über Trainingspläne, Taktik, Aufstellung und Leistungsanforderungen. Er verfügt über fachliche Autorität, bewertet Leistung und trägt Mitverantwortung für das Ergebnis der Mannschaft. Im professionellen Life oder Business Coaching dagegen bestimmt der Coachee sein Anliegen und bleibt Experte für seine Entscheidungen. Der Coach gibt nicht automatisch die Lösung vor und beurteilt den Coachee nicht wie ein Spieler im Wettbewerb.
Trotzdem gibt es sinnvolle Analogien. Beide Formen schaffen einen Reflexions- und Entwicklungsraum, richten Aufmerksamkeit auf Ziele, stärken Ressourcen und unterstützen dabei, Erkenntnisse in Verhalten zu übersetzen. Auch regelmäßiges Üben, Feedback, mentale Vorbereitung und die Auswertung konkreter Situationen verbinden Sport und Coaching.
Die Analogie endet dort, wo Weisungsbefugnis beginnt. Ein Fußballtrainer kann einen Spieler auf die Bank setzen. Ein professioneller Coach arbeitet auf Augenhöhe und kann den Coachee nicht zu einem Schritt verpflichten. Er unterstützt Selbststeuerung statt Fremdsteuerung. Wer diese Unterscheidung kennt, versteht auch, weshalb ein guter Coach nicht ständig Ratschläge geben muss, um wirksam zu sein.
Die Berufsbezeichnung Coach ist in Deutschland nicht geschützt. Umso wichtiger ist es, Qualifikation und Arbeitsweise genau anzusehen. Ein seriöser Life Coach kann eine fundierte, ausreichend umfangreiche Ausbildung, praktische Erfahrung und regelmäßige Weiterbildung nachvollziehbar belegen. Zertifizierungen durch etablierte Verbände können zusätzliche Orientierung geben, ersetzen aber nicht den persönlichen Eindruck.
Im Vorgespräch erklärt der Coach transparent, wie er arbeitet, was Coaching leisten kann und wo seine Grenzen liegen. Ziele, Honorar, Dauer, Vertraulichkeit, Absageregeln und der Umgang mit Daten werden verständlich vereinbart. Der Coach verspricht weder garantierten Erfolg noch Heilung, schnellen Reichtum oder ein völlig problemfreies Leben.
Wichtig sind außerdem eine respektvolle Haltung, echtes Zuhören und die Bereitschaft, den Klienten in seiner Eigenständigkeit zu stärken. Vorsicht ist angebracht, wenn Angst oder Zeitdruck als Verkaufsmittel genutzt werden, sehr teure Programme sofort unterschrieben werden sollen, Kritik als „mangelndes Mindset“ abgewertet wird oder der Coach sich als einzig mögliche Rettung inszeniert.
Seriosität zeigt sich nicht darin, dass ein Coach alle Antworten kennt. Sie zeigt sich darin, dass er sorgfältig arbeitet, Grenzen erkennt, Ergebnisse nicht erzwingt und bei Themen außerhalb seiner Kompetenz weiterverweist.
Ein angemessenes Coaching-Honorar hängt von Zielgruppe, Qualifikation, Erfahrung, Spezialisierung, Dauer, Vor- und Nachbereitung sowie dem Auftrag ab. Ein privates Life Coaching kann anders kalkuliert sein als ein Executive Coaching, das von einem Unternehmen finanziert wird und zusätzliche Abstimmungen oder Dokumentation erfordert.
Als Orientierung nennt die RAUEN Coaching-Marktanalyse 2024 für Business Coaching in Deutschland ein durchschnittliches Nettohonorar von 175,98 Euro je Zeitstunde. Viele Angebote liegen – abhängig von Erfahrung, Spezialisierung und Auftrag – etwa zwischen 100 und 350 Euro netto pro Stunde. Diese Spanne ist jedoch keine Obergrenze: Im Executive Coaching können Stundensätze deutlich darüber und Tagessätze bei 3.500 Euro oder mehr liegen. Ein Durchschnitt ist weder Mindestpreis noch Qualitätssiegel.
Entscheidend ist die Transparenz: Wie lang ist eine Sitzung? Welche Leistungen sind enthalten? Entstehen Kosten für Vorbereitung, Reise oder Auswertung? Gibt es ein frei kündbares Vorgehen oder einen umfangreichen Gesamtprozess? Gerade Executive Coaching wird häufig als Paket kalkuliert. Dazu können Auftragsklärung mit dem Unternehmen, 360-Grad-Feedback, mehrere Coachingphasen, ein Workshop, Zwischen- und Abschlussevaluationen sowie Gespräche mit relevanten Stakeholdern gehören. Der Paketpreis vergütet dann nicht nur die einzelnen Coachingstunden, sondern auch Diagnostik, Vorbereitung, Prozesssteuerung und Verantwortung.
Sehr niedrige Preise können zu einem Coach in Ausbildung passen; sehr hohe Preise können bei besonderer Expertise und komplexen Unternehmensaufträgen angemessen sein. Misstrauen ist angebracht, wenn Preis und Leistung bewusst verschleiert werden, künstlicher Zeitdruck entsteht oder große Ergebnisse garantiert werden. Gute Qualität lässt sich nicht allein am Preis erkennen.
Kommunikation und Führung
Aktives Zuhören ist eine Kommunikationstechnik und bezieht sich auf die Gesprächsführung zwischen zwei Menschen, die ein Gespräch führen: einem Nachrichtensender und einem Empfänger. Der US-amerikanische Psychologe Carl Rogers hat diese Technik erstmals im Jahr 1942 in der Psychotherapie verwendet.
Aktives Zuhören ermöglicht es dem Empfänger von Gesprächsinhalten, die Botschaft und Absicht des Nachrichtensenders zu verstehen. Es wird zwischen verbalen und nonverbalen Techniken unterschieden. Durch die verbalen Techniken spiegelt zum Beispiel der Coach, die Führungskraft oder jeder, der einen Dialog führt, dem Coachee beziehungsweise seinem Gegenüber wider, welche Informationen er aufgenommen hat, und kann sein persönliches Verständnis überprüfen.
Dadurch können Missverständnisse unmittelbar geklärt werden, und der Coach versteht die Informationen des Coachees richtig. Mithilfe der nonverbalen Techniken zeigt der Coach dem Coachee sein Interesse und bringt sein Verständnis und seine Aufmerksamkeit zum Ausdruck. Das gilt in Präsenzgesprächen ebenso wie in digitalen Coaching– und Führungssituationen, in denen nonverbale Signale nur eingeschränkt wahrnehmbar sind.
Der Coach stellt seine eigenen Gedanken durch das aktive Zuhören zurück und konzentriert sich ausschließlich auf die Aussagen des Coachees. Das aktive Zuhören hilft außerdem dabei, eine Vertrauensbasis zwischen Coach und Coachee aufzubauen, damit sie in den Gesprächen wertschätzend miteinander umgehen (interpersonelle Ebene). Außerdem können durch aktives Zuhören alle möglichen Unklarheiten, die während des Gesprächsverlaufs entstehen, unmittelbar aufgelöst werden (semantische Ebene). Beide Parteien können sich somit auf Augenhöhe begegnen und einander Respekt entgegenbringen.
In der zwischenmenschlichen Kommunikation werden zwei Formen unterschieden, um seinem Gesprächspartner Gefühle (Freude, Wut, Ärger etc.) zu vermitteln: Ich- und Du-Botschaften.
Mit einer Du-Botschaft wird der Empfänger einer Nachricht direkt angesprochen, und es wird ihm mitgeteilt, welches Verhalten der Nachrichtensender als gut oder nicht gut empfunden hat.
Beispiel: „Nie kannst du pünktlich sein.“
In der Regel sind Du-Botschaften meist Vorwürfe oder Kritik beziehungsweise Ausdruck von Unmut. Eine weitere Form der Du-Botschaft ist die sogenannte verdeckte Du-Botschaft. Diese wird häufig mit den Schlüsselwörtern „wir“ oder „man“ verknüpft. Sie kann auch als Ich-Botschaft gedacht sein, letztlich aber doch als Du-Botschaft herübergebracht werden.
Beispiele: „Wir sollten uns mehr Mühe geben, pünktlich zu beginnen.“ – „Ich kann mich nicht konzentrieren, weil du immer unpünktlich zum Meeting kommst.“
In Wirklichkeit soll diese Aussage eine direkte Aufforderung zum Ausdruck bringen, dass sich das Gegenüber bemühen soll, pünktlicher zu erscheinen. Bei Ich-Botschaften hingegen geht es um die Mitteilung einer Botschaft beziehungsweise eines Gefühls, ohne das Gegenüber dabei persönlich anzugreifen oder zu verletzen. Es wird lediglich das subjektive Empfinden des Nachrichtensenders dargestellt, und dem Empfänger bleibt die Möglichkeit, diese Botschaft anzunehmen oder abzulehnen.
Die Ich-Botschaften setzen sich aus drei Komponenten zusammen:
Nicht urteilende Beschreibung der Verhaltensweise des Gegenübers
Beschreibung der konkreten Konsequenzen und Auswirkungen des Verhaltens
Beschreibung der Gefühlslage
Folglich kann für das oben genannte Beispiel folgende Ich-Botschaft formuliert werden:
„In der letzten Zeit bist du häufig zu spät zu unseren Meetings gekommen. (Beschreibung beziehungsweise Schilderung der Sachlage; es ist nicht allein deshalb eine Du-Botschaft, weil das Wort ‚du‘ enthalten ist.) Mich bringt das aus dem Konzept, und ich kann mich nicht gut konzentrieren beziehungsweise komme durcheinander. Das verunsichert mich und führt letztlich dazu, dass ich mich ärgere.“ (Beschreibung der Konsequenz beziehungsweise Auswirkung und der Gefühlslage)
Im Regelfall führen Du-Botschaften zu negativen Reaktionen des Gegenübers, da er oder sie sich persönlich angegriffen fühlt und in eine Abwehrhaltung übergeht. Die Formulierungen des Senders der Du-Botschaft enthalten indirekte Schuldzuweisungen, die den Empfänger verletzen und negative Reaktionen hervorrufen können. Dazu zählen zum Beispiel Gesprächsabbrüche, emotionaler Rückzug und Schweigen. Zusätzlich können Du-Botschaften den Eindruck erwecken, das Gegenüber zu missachten und abzulehnen.
Dadurch fühlt sich die Person bestraft und herabgesetzt. Folglich wird die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Sender und Empfänger beeinträchtigt. Die eigentlichen Gefühle, die der Sender dem Empfänger mitteilen möchte, gehen verloren, und der Konflikt beziehungsweise die Situation wird zunehmend verschärft. Im Hinblick auf eine gewaltfreie und harmonische Kommunikation ist es daher ratsam, seine Gefühle in Kritik- und Konfliktsituationen mithilfe sogenannter Ich-Botschaften auszudrücken.
Diese schaffen Nähe, fördern den Dialog und verletzen die Beziehung nicht, da der Nachrichtensender die Botschaft als sein eigenes Problem und nicht als Schuldzuweisung formuliert.
Die Gewaltfreie Kommunikation, kurz GFK, ist ein von Marshall B. Rosenberg entwickelter Ansatz, der eine klare und zugleich einfühlsame Verständigung fördern soll. „Gewaltfrei“ bedeutet dabei nicht nur, auf Beschimpfungen oder Drohungen zu verzichten. Gemeint ist auch, Bewertungen, Schuldzuweisungen und Druck bewusster wahrzunehmen und Verantwortung für die eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Bitten zu übernehmen.
Das bekannte Grundmodell besteht aus vier Schritten: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Zunächst wird eine Situation möglichst konkret beschrieben, ohne sie sofort zu bewerten. Danach benennt die sprechende Person ihr Gefühl und das dahinterliegende Bedürfnis. Abschließend formuliert sie eine konkrete, gegenwartsbezogene Bitte, die der andere tatsächlich ablehnen darf. Aus „Sie nehmen mich nie ernst“ könnte etwa werden: „Als Sie meinen Vorschlag eben unterbrochen haben, war ich frustriert, weil mir wichtig ist, meinen Gedanken zu Ende führen zu können. Würden Sie mir noch zwei Minuten zuhören?“
GFK wird in Partnerschaften, Familien, Teams, Führung, Schule, Mediation, Beratung und Coaching eingesetzt. Ideal angewendet wird sie nicht als starre Satzschablone, sondern als Haltung: ehrlich ausdrücken, empathisch zuhören und hinter Vorwürfen die zugrunde liegenden Anliegen erkennen. Eine Bitte ist dabei keine höflich verpackte Forderung.
Die Giraffe steht als Symbol für Weitblick und eine Sprache, die Gefühle und Bedürfnisse einbezieht. Der Wolf beziehungsweise im englischen Original der Schakal symbolisiert bewertende, beschuldigende oder fordernde Kommunikation. Beide Bilder beschreiben Sprachmuster, keine „guten“ und „schlechten“ Menschen. Auch Wolfssprache kann ein Hinweis auf unerfüllte Bedürfnisse sein.
Führungskommunikation nach Friedemann Schulz von Thun ist weniger ein einzelnes Rezept als die Anwendung mehrerer Kommunikationsmodelle auf die Führungsrolle. Ein zentrales Prinzip lautet: Gute Kommunikation muss sowohl zur Person als auch zur Situation passen. Schulz von Thun spricht von Stimmigkeit – also von der Verbindung zwischen innerer Klarheit, Rollenerfordernissen und dem jeweiligen Gegenüber.
Das Kommunikationsquadrat zeigt, dass jede Äußerung vier Seiten haben kann: Sachinhalt, Selbstkundgabe, Beziehung und Appell. Eine Führungskraft kann eine sachliche Information senden, während ein Mitarbeiter vor allem eine Kritik auf der Beziehungsebene hört. Das Modell hilft, Missverständnisse zu analysieren und Botschaften bewusster zu formulieren.
Das Innere Team richtet den Blick nach innen: Welche unterschiedlichen Stimmen melden sich vor einem schwierigen Gespräch? Vielleicht wollen Klarheit, Harmonie, Fürsorge und Ergebnisorientierung gleichzeitig gehört werden. Selbstklärung hilft der Führungskraft, nicht impulsiv oder widersprüchlich zu kommunizieren.
Das Werte- und Entwicklungsquadrat ergänzt diese Perspektive. Jede Stärke braucht eine ausgleichende Schwesterntugend. Konsequenz ohne Wertschätzung kann zu Härte werden; Wertschätzung ohne Konsequenz zu Nachgiebigkeit. Führungskommunikation bedeutet daher nicht, immer freundlich oder immer direkt zu sein, sondern situationsgerecht, verständlich und menschlich klar zu handeln.
Das Modell des Inneren Teams beschreibt die Erfahrung, dass in uns zu einer Frage mehrere Stimmen gleichzeitig sprechen können. Vor einem beruflichen Wechsel meldet sich vielleicht eine mutige Stimme, daneben eine Sicherheitsbeauftragte, ein loyaler Anteil und ein innerer Kritiker. Diese Vielstimmigkeit ist keine Störung, sondern ein normaler Bestandteil menschlicher Selbstklärung.
Im Coaching werden die relevanten Teammitglieder gesammelt, benannt und mit ihren Botschaften sichtbar gemacht. Der Coachee untersucht, welche Stimme besonders laut ist, welche kaum gehört wird, welche miteinander im Konflikt stehen und welche positive Absicht jede von ihnen verfolgt. Anschließend übernimmt das „Oberhaupt“ die innere Führung: Es würdigt die Beiträge, setzt Grenzen und entwickelt eine stimmige Gesamtposition.
Das Ziel ist nicht, unangenehme Stimmen zu beseitigen. Der ängstliche Anteil kann beispielsweise wichtige Risiken erkennen, soll aber nicht allein entscheiden. Der Antreiber kann Leistung ermöglichen, braucht jedoch möglicherweise einen Gegenpol, der auf Gesundheit und Maß achtet.
Das Innere Team eignet sich für Entscheidungen, Rollenkonflikte, schwierige Gespräche und wiederkehrende Verhaltensmuster.
Die MiniMax-Interventionen gehen auf den Psychologen Manfred Prior zurück. Gemeint sind kleine sprachliche Veränderungen, die mit minimalem Aufwand eine möglichst große Wirkung in Beratung, Therapie und Coaching entfalten können. Der Ansatz lenkt die Aufmerksamkeit darauf, dass einzelne Wörter Erwartungen, Perspektiven und Handlungsspielräume beeinflussen.
Ein bekanntes Beispiel ist das Wort „bisher“. Aus „Ich kann mich in Besprechungen nicht durchsetzen“ wird „Bisher ist es mir in Besprechungen nicht gelungen, mich so durchzusetzen, wie ich es möchte.“ Das Problem wird dadurch nicht geleugnet, aber zeitlich begrenzt. Veränderung wird sprachlich wieder möglich. Auch Fragen nach Ausnahmen, kleinen Unterschieden und ersten Anzeichen einer Verbesserung gehören zu dieser lösungsorientierten Haltung.
MiniMax bedeutet nicht, Menschen mit Sprachtricks zu manipulieren. Professionell eingesetzt bleiben die Formulierungen transparent, respektvoll und passend zum Anliegen. Der Coach achtet nicht nur darauf, was gesagt wird, sondern auch darauf, welche Vorannahmen eine Frage enthält. „Warum schaffen Sie das nie?“ verengt; „Wann gelingt es Ihnen bereits ein wenig?“ öffnet einen anderen Suchraum.
Gerade im Coaching sind MiniMax-Interventionen wertvoll, weil sie sich unaufdringlich in ein natürliches Gespräch integrieren lassen. Ihre Wirkung entsteht nicht automatisch durch das richtige Zauberwort, sondern im Zusammenspiel mit Beziehung, Timing und echtem Zuhören.
Widersprüche differenziert wahrzunehmen und daraus eine klare Haltung zu entwickeln.
Werte, Glaubenssätze und persönliche Entwicklung
Ein Wert ist eine grundlegende Vorstellung davon, was ein Mensch für wichtig, richtig und erstrebenswert hält. Werte wie Freiheit, Sicherheit, Gerechtigkeit, Verbundenheit oder Leistung wirken als innere Orientierung: Sie beeinflussen, welche Ziele wir wählen, wie wir Entscheidungen treffen und wie wir Situationen bewerten. Anders als ein konkretes Ziel ist ein Wert nicht irgendwann „erledigt“. Ein Ziel kann lauten, eine Führungsposition zu übernehmen. Dahinter können Werte wie Gestaltung, Verantwortung, Anerkennung oder finanzielle Sicherheit stehen.
Werte sind nicht dasselbe wie Regeln oder Eigenschaften. „Ich muss immer erreichbar sein“ ist eine Regel oder Überzeugung. „Zuverlässigkeit“ kann der dahinterliegende Wert sein. Auch Bedürfnisse und Werte hängen zusammen, sind aber nicht identisch: Ein Bedürfnis beschreibt häufig, was ein Mensch in einer bestimmten Situation benötigt; ein Wert ist eine übergreifende Leitvorstellung.
Werte werden durch Familie, Kultur, Erfahrungen und Lebensphasen geprägt. Manche bleiben lange stabil, andere verändern ihre Bedeutung. Konflikte entstehen oft nicht, weil Menschen „keine Werte“ haben, sondern weil unterschiedliche Werte oder unterschiedliche Auslegungen desselben Wertes aufeinandertreffen. Wer Klarheit über seine Werte gewinnt, versteht deshalb häufig besser, weshalb bestimmte Entscheidungen stimmig wirken und andere trotz guter Argumente inneren Widerstand auslösen.
Wertearbeit macht sichtbar, was einem Menschen wirklich wichtig ist. Sie hilft besonders bei Entscheidungen, beruflicher Neuorientierung, Rollenklärung, Konflikten und der Entwicklung eines persönlichen oder unternehmerischen Leitbildes. Häufig zeigt sich im Coaching, dass ein Ziel zwar vernünftig klingt, aber nicht zu den eigenen Wertvorstellungen passt. Dann fehlt Energie – oder der Erfolg fühlt sich später überraschend leer an.
Wertearbeit kann drei Dinge leisten. Erstens schafft sie Orientierung: Welche Kriterien sollen eine Entscheidung tragen? Zweitens macht sie Spannungen verständlich: Stehen zum Beispiel Sicherheit und Freiheit, Leistung und Fürsorge oder Loyalität und Wahrhaftigkeit miteinander im Konflikt? Drittens übersetzt sie abstrakte Begriffe in Verhalten. Denn „Respekt“ bedeutet für verschiedene Menschen etwas anderes. Erst Fragen wie „Woran wäre Respekt in Ihrem Alltag konkret zu erkennen?“ machen einen Wert handlungsfähig.
Professionelle Wertearbeit schreibt keine „richtigen“ Werte vor. Der Coach hilft dem Coachee, eigene Prioritäten zu erkennen, Widersprüche auszuhalten und konkrete Konsequenzen abzuleiten. Am Ende steht daher idealerweise nicht nur eine hübsche Liste, sondern eine Antwort auf die Frage: Was möchte ich aufgrund meiner Werte künftig beginnen, beenden oder anders tun?
Es gibt nicht die eine richtige Methode der Werteanalyse. Je nach Anliegen kann der Coach mit einer offenen Exploration, einer Werteliste, Karten, biografischen Situationen, Dilemmata oder standardisierten Fragebögen arbeiten.
Bei einer offenen Exploration fragt der Coach nach Momenten großer Zufriedenheit, Ärger oder Stolz. Starke Gefühle weisen häufig darauf hin, dass ein wichtiger Wert erfüllt oder verletzt wurde. Wertelisten und Karten erleichtern den Einstieg: Der Coachee wählt zunächst relevante Begriffe aus, verdichtet sie anschließend und bringt sie in eine Rangfolge. Entscheidend ist die Konkretisierung: Was bedeutet etwa Freiheit für genau diesen Menschen?
Eine weitere Möglichkeit ist die Analyse schwieriger Entscheidungen. Zwei attraktive Optionen stehen oft für unterschiedliche Werte. Auch Vorbilder, prägende Lebensereignisse und sogenannte Anti-Werte – also Verhaltensweisen, die jemand entschieden ablehnt – können Hinweise geben. In Teams lässt sich untersuchen, welche Werte tatsächlich gelebt werden und welche nur auf dem Papier stehen.
Wissenschaftlich entwickelte Instrumente wie der Schwartz Value Survey oder der Portrait Values Questionnaire ordnen Werte in größere Motivbereiche ein. Solche Verfahren können Orientierung bieten, ersetzen aber nicht das Coachinggespräch. Gute Wertearbeit verbindet deshalb Auswahl, persönliche Bedeutung, mögliche Wertekonflikte und beobachtbares Verhalten.
Beim Wertequadrat handelt es sich um eine Matrix, die in zwei Spalten und zwei Zeilen vier Felder aufweist, in denen vom Coachee oder von einem Team die „gewünschten“ Werte und Verhaltensweisen den „nicht gewünschten“ Werten und Verhaltensweisen gegenübergestellt werden. Aus den Werten lässt sich das entsprechende gewünschte oder unerwünschte Verhalten ableiten und umgekehrt.
Fragen zur Ermittlung der verschiedenen Werte und Verhaltensweisen können zum Beispiel sein: „Was macht Sie glücklich?“, „Was stört, ärgert oder stresst Sie?“, „Wovon sind Sie überzeugt?“
Das Wertequadrat kann im Coaching für verschiedene Zwecke genutzt werden:
Das Wertequadrat kann vom Coach genutzt werden, um aus den vom Coachee genannten Werten und Verhaltensweisen sowie deren Gewichtung zu ermitteln, ob der Coachee eher lösungs- oder problemorientiert ist. Eine höhere Gewichtung in der Spalte „gewünscht“ kann zum Beispiel auf eine Lösungsfokussierung („Hin zu …“) hinweisen, während eine höhere Gewichtung in der Spalte „nicht gewünscht“ auf eine Problemfokussierung („Weg von …“) hindeuten kann. Der Eindruck kann beim Coachee hinterfragt und bei einer Problemfokussierung entsprechend im Coachingprozess berücksichtigt werden.
In Orientierungsprozessen (zum Beispiel Familie/Beruf) kann das Wertequadrat helfen, die „gewünschten“ Werte und Verhaltensweisen („Hin zu …“) zu ermitteln. Das „Gewünschte“ kann anschließend im Rahmen des Coachings weiter vertieft werden, und Wege dorthin können erarbeitet werden.
Bei Veränderungsprozessen (zum Beispiel im Rahmen eines Change-Managements) können mithilfe des Wertequadrats die eigenen Werte und Verhaltensweisen des Coachees mit dem Umfeld abgeglichen werden. Abweichungen können erkannt sowie deren Auswirkungen und Lösungen erarbeitet werden.
In Teamentwicklungsprozessen kann das Wertequadrat genutzt werden, um gemeinsame Werte und Verhaltensweisen zu definieren und Spielregeln zu vereinbaren.
Das Wertequadrat kann zudem zur Visualisierung genutzt werden, um aufzuzeigen, dass hinter jedem unerwünschten Verhalten auch ein positiver Wert beziehungsweise eine Stärke stecken kann (zum Beispiel kann unstrukturiertes Verhalten auf Kreativität und Flexibilität hinweisen). Dies kann dem Coachee helfen, sein eigenes Verhalten in einem positiven Licht zu sehen und anzunehmen (Reframing).
Zusätzlich kann das Wertequadrat dem Coachee zum Beispiel bei Konflikten helfen, mehr Empathie beziehungsweise Verständnis für das Verhalten anderer zu entwickeln, indem er lernt, den Hintergrund des Verhaltens des anderen besser zu verstehen.
Nach Friedemann Schulz von Thun kann das Wertequadrat zudem als Entwicklungsquadrat genutzt werden, bei dem eine Entwicklung von einem nicht gewünschten Verhalten zu einem Verhalten, das den eigenen Werten entspricht, aufgezeigt wird, um eine Balance zwischen „Tugend und Untugend“ herzustellen. Im Rahmen des Coachings wird die Richtung, in die die Änderung erfolgen soll, erarbeitet und aufgezeigt.
Grundsätzlich ist das Wertequadrat ein wunderbares Tool für Teams – sowohl für Teams in Konflikten als auch für neue Teams. Hier können gemeinsam Werte und Verhaltensweisen besprochen und vereinbart werden.
Glaubenssätze sind verallgemeinerte Annahmen über uns selbst, andere Menschen oder die Welt. Sie wirken wie innere Deutungsregeln. Ein stärkender Glaubenssatz kann lauten: „Ich darf lernen und muss nicht sofort perfekt sein.“ Ein begrenzender Glaubenssatz wäre: „Wenn ich einen Fehler mache, verliere ich die Achtung der anderen.“ Ob ein Satz hilfreich oder hinderlich ist, zeigt sich weniger an seinem positiven oder negativen Klang als an seiner Wirkung und seiner Angemessenheit.
Im Coaching werden Glaubenssätze nicht einfach durch optimistische Sätze ersetzt. Ein neuer Satz muss für den Coachee glaubwürdig, konkret und im Alltag überprüfbar sein. Der Coach kann zunächst auf wiederkehrende Formulierungen wie „immer“, „nie“, „man muss“ oder „ich kann nicht“ achten. Anschließend werden Ursprung, Nutzen, Kosten und Ausnahmen erkundet: Wann gilt diese Annahme nicht? Wovor hat sie bislang geschützt? Welche Erfahrungen sprechen für eine differenziertere Sicht?
NLP nutzt unter anderem Reframing, Arbeit mit inneren Bildern oder Ankern. Systemisches Coaching betrachtet den Glaubenssatz im Beziehungs- und Lebenskontext und arbeitet beispielsweise mit zirkulären Fragen, Perspektivwechseln oder Bodenankern. Methodenfreies Coaching nach ICF-Haltung kann allein durch genaues Zuhören, Beobachtungen und klärende Fragen wirksam sein. Der Coach liefert dann keinen „richtigen“ Ersatzsatz, sondern unterstützt den Coachee dabei, eine tragfähigere Sichtweise zu entwickeln und durch konkrete Erfahrungen zu erproben.
Selftalk bezeichnet die Gesamtheit dessen, was unser Gehirn tagtäglich an unbewussten und ungefilterten Anweisungen und Kommentaren an uns übermittelt: alle Ermutigungen, Beschimpfungen und Zurechtweisungen, für die in unserer Kindheit Eltern, Lehrer und andere Erwachsene zuständig waren und die wir in unser Erwachsenenleben mitgenommen haben. Da Lob in unserer Kultur eher selten ist, ist auch unser Selftalk hauptsächlich negativ.
Wir benutzen den Begriff „Selftalk“ ausschließlich mit negativer Konnotation, um ihn klar von der Arbeit mit Affirmationen, Mantras etc. abzugrenzen.
Nur wer den Mut zum Träumen hat, hat auch die Kraft, sein Leben wirksam zu gestalten. Unbeobachteter und unbeeinflusster negativer Selftalk raubt uns kostbare Energien, weil er uns den Mut zum Träumen nimmt. Alte Glaubenssätze, die gegebenenfalls sogar sinnvoll waren, um uns zu schützen („Das kannst du nicht, dafür bist du zu klein.“), halten uns davon ab, zu wachsen, wenn sie nicht aufgelöst werden.
Da wir uns gewöhnlich nicht die Mühe machen, alten Selftalk sorgfältig aufzulösen und zu hinterfragen, ob uns die Anweisungen, Zurechtweisungen und Korrekturen noch nützen oder ob sie uns nicht vielmehr daran hindern, zu werden, was wir werden können, entstehen hier beliebig viele Coaching-Themen. Da der Selftalk meist unter der Oberfläche verborgen abläuft, muss er zunächst identifiziert werden.
Dann ist es möglich, ihn aufzulösen, alte Überzeugungen ad absurdum zu führen und Platz für neue, hilfreiche und positive Verstärkungen zu schaffen.
Der ungeliebte negative Selftalk kann mithilfe der Stopp-Technik, der Wasserglas-Methode oder der „Aquarium-Technik“ meist in Schach gehalten werden.
Warum ist es als Coach zwingend wichtig, die Macht der Worte zu kennen?
Worte können trösten, wärmen, erleuchten oder verletzen, demütigen und mundtot machen. In der Bibel (Johannes 1,1 \[1912\]), auf der unsere Kultur fußt, heißt es: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ Mächtiger geht es kaum. Der japanische Autor Masaru Emoto veranschaulichte die mögliche Wirkung von Worten mit Fotografien gefrorener Wasserkristalle.
Nach seiner Darstellung bildete freundlich behandeltes Wasser schönere und ebenmäßigere Kristalle als „beschimpftes“ Wasser. Seine Versuche sind wissenschaftlich umstritten und gelten nicht als belastbarer Nachweis. Als Denkimpuls bilden sie dennoch eine interessante Brücke zu der Frage, wie bewusst wir Sprache einsetzen. Umso wichtiger ist es, im Coaching sorgsam mit Worten umzugehen. Was bedeutet das für unseren Coachingalltag? Große Sorgfalt bei der Wortwahl ist für den Coach von besonderer Bedeutung (siehe auch Fragetechniken).
Ebenso wichtig ist die Aufmerksamkeit für die Worte, die der Coachee verwendet. Siehe hierzu auch „Gewaltfreie Kommunikation“ (Rosenberg 2016). Häufig ist an der Art des Vokabulars bereits die Atmosphäre im Unternehmen erkennbar. In IT-Beratungen und im Vertrieb findet man bisweilen eine Wortwahl, die eher an Krieg erinnert als ans Geschäft. Da werden „Schlachten“ an „vorderster Front“ geschlagen; das Customer Experience Center heißt im internen, natürlich ironisch gemeinten Sprachgebrauch auch schon einmal „War Room“.
In der Folge beklagt sich der Klient, dass er beim Kunden gelegentlich als „zu aggressiv“ wahrgenommen wird.
Das deutsche Wort für Vokabular heißt nicht von ungefähr „Wortschatz“: Da gehören Juwelen hinein, Gold und Silber, aber kein Schmutz und kein Talmi. Es lohnt sich, auf die eigene Wortwahl und auch auf die des Klienten zu achten. Die Arbeit am Wortschatz kann eine völlig andere Stimmung erzeugen und auch aufgeladenen Situationen die Spitze nehmen.
Fragetechniken und Coachingmethoden
Die Beherrschung verschiedener Fragetechniken ist für die Tätigkeit als Coach grundlegend wichtig.
Grundsätzlich werden offene und geschlossene Fragen voneinander unterschieden. Geschlossene Fragen sind so formuliert, dass sie mit Ja oder Nein beantwortet werden können.
Offene Fragen hingegen beginnen mit einem Fragewort (wer, wie, was, wo etc.) und fordern den Gesprächspartner dazu auf, umfassend und in vollständigen Sätzen zu antworten. Im Coachingprozess wird überwiegend mit offenen Fragestellungen gearbeitet, um den Coachee dazu zu ermutigen, sich selbst mit den Lösungsansätzen seines Problems zu beschäftigen.
Außerdem fördern offene Fragen die Beziehung zwischen Coach und Coachee, da sie ein ehrliches Interesse seitens des Coaches widerspiegeln. Mithilfe offener Fragestellungen gelingt es dem Coach, herauszufinden, welche Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle den Coachee leiten und welche Verhaltensweisen dadurch bei ihm ausgelöst werden. Des Weiteren kann der Coach den Coachee dabei unterstützen, neue Gedanken und Perspektiven zu entdecken und seine Aufmerksamkeit gezielt in die gewünschte Lösungsrichtung zu lenken.
Es werden unter anderem sieben offene Fragetechniken unterschieden:
lösungs-, ziel- und ressourcenorientierte Fragen
Fragen nach Unterschieden
zirkuläre Fragen
hypothetische Fragen
paradoxe Fragen
Wunderfragen
skalierende Fragen
Zielorientierte Fragen (zum Beispiel: „Wie kann ich dich als dein Coach dabei unterstützen?“) helfen bei Zieldefinitionen und bringen den Coachee zu der Überlegung, welche Ressourcen und Fähigkeiten er zur Erreichung seines Ziels benötigt. Die Frage nach Unterschieden (zum Beispiel: „Was ist heute besser als damals?“) ermöglicht die Herausarbeitung von Aspekten, die der Coachee positiv oder negativ empfindet, und hilft dabei, herauszufinden, was er gegenwärtig und zukünftig wirklich möchte.
Außerdem wird dadurch deutlich, welche positiven oder negativen Veränderungen in der Vergangenheit erlebt wurden. Mithilfe hypothetischer Fragen oder der sogenannten Wunderfrage lenkt der Coach die Aufmerksamkeit des Coachees auf die Möglichkeiten der Zukunft. Dies soll bewirken, dass sich der Coachee seiner Stärken und Ressourcen bewusst wird und sich eine gute Zukunft vorstellt, in der es positive Veränderungen gegenüber der gegenwärtigen Situation gibt (positive Visionen über die Zukunft).
Hier werden seine Kreativität und sein sinnliches Vorstellungsvermögen (VAKOG) gefordert. Die gedankliche Vorstellung einer positiven Zukunft soll es dem Klienten erleichtern, reale beziehungsweise tatsächliche Veränderungsschritte einzuleiten und durchzusetzen.
Eine Wunderfrage kann folgendermaßen gestellt werden:
„Angenommen, es wäre Nacht und Sie legten sich schlafen. Während Sie schlafen, geschieht ein Wunder, und das Problem, das Sie schon seit längerer Zeit belastet, ist gelöst. Da Sie geschlafen haben, wissen Sie nicht, dass dieses Wunder geschehen ist. Was wird Ihrer Meinung nach morgen früh das erste kleine Anzeichen sein, das Sie darauf hinweist, dass sich etwas verändert hat?“
Bilder sprechen einen anderen Zugang an als rein sprachliche Fragen. Ein Foto kann Erinnerungen, Gefühle, Metaphern und Zusammenhänge aktivieren, die dem Coachee zunächst schwer in Worte zu fassen sind. Die „Bildbar“ von Jimmy Gut und Margit Kühne-Eisendle ist eine Methodensammlung samt Bildkarten für Coaching, Training, Weiterbildung, Supervision und weitere Arbeitsfelder.
Im Einzelcoaching kann der Coachee beispielsweise ein Bild für seine aktuelle Situation, ein Ziel, eine Ressource oder ein Hindernis auswählen. Entscheidend ist nicht, was der Coach im Bild erkennt, sondern welche Bedeutung der Coachee ihm gibt. Fragen wie „Was spricht Sie daran an?“, „Wo wären Sie selbst in diesem Bild?“ oder „Was müsste sich verändern?“ vertiefen die Reflexion.
In Gruppen eignen sich Bilder für Einstieg, Standortbestimmung, Feedback, Teamrollen, Zukunftsbilder oder Abschlussrunden. Alle Teilnehmer erhalten einen gleichberechtigten Ausdrucksweg; gleichzeitig können Unterschiede in Wahrnehmung und Bedeutung sichtbar werden. Der Coach achtet auf Freiwilligkeit und darauf, intime Deutungen nicht einzufordern.
Bilder sind keine diagnostischen Tests. Aus einer Kartenwahl lässt sich keine verborgene Wahrheit über eine Person ableiten. Ihre Stärke liegt in der Einladung zu Assoziation, Perspektivwechsel und Gespräch.
Bodenanker sind Karten, Blätter, Symbole oder Gegenstände, die im Raum für Personen, Ziele, Werte, Zeitpunkte, innere Anteile oder Handlungsoptionen stehen. Der Coachee legt sie aus und nimmt nacheinander verschiedene Positionen ein. Dadurch wird ein abstraktes Thema räumlich sichtbar und körperlich erfahrbar.
Die Methode wird im systemischen Coaching, in Aufstellungen, im NLP und in anderen erlebnisorientierten Ansätzen genutzt. Ein Coachee kann beispielsweise auf einem Anker für die Gegenwart stehen, anschließend eine mögliche Zukunftsposition betreten und Unterschiede in Gedanken, Gefühlen, Haltung oder Blickrichtung wahrnehmen. Bei einem Konflikt können eigene Position, Gegenüber und eine Beobachterperspektive markiert werden.
Die Wirkung lässt sich plausibel durch Externalisierung, Perspektivwechsel, gerichtete Aufmerksamkeit, Vorstellungskraft und Körperwahrnehmung erklären. Der Raum hilft, Beziehungen und Unterschiede wahrzunehmen, die im Sitzen und Sprechen leichter abstrakt bleiben.
Der Coach deutet körperliche Reaktionen nicht als objektive Botschaft eines Systems. Er fragt nach der subjektiven Erfahrung des Coachees und behandelt jede Erkenntnis als Hypothese. Bodenanker sind besonders dann seriös, wenn der Coachee jederzeit verändern, widersprechen oder abbrechen darf.
Der Circle of Excellence ist ein klassisches NLP-Format zur Aktivierung persönlicher Ressourcen. Ein vorgestellter oder auf dem Boden markierter Kreis wird mit einem gewünschten Zustand wie Ruhe, Mut, Klarheit oder Selbstvertrauen verbunden. Ziel ist, einen bereits bekannten hilfreichen Zustand für eine bevorstehende Situation leichter zugänglich zu machen.
Zunächst klärt der Coachee, welche Ressource er benötigt. Dann erinnert er sich möglichst konkret an eine Situation, in der diese Ressource bereits vorhanden war: Was sah, hörte und fühlte er? Wenn der Zustand deutlich erlebbar wird, tritt er in den Kreis und verbindet Ort, Vorstellung und Körpererleben miteinander. Dieser Vorgang kann mit mehreren passenden Erinnerungen wiederholt werden. Anschließend wird erprobt, wie sich die bevorstehende Herausforderung mit dieser Ressource anfühlt.
Der Circle of Excellence ist eine imaginative und körperbezogene Übung, kein wissenschaftlich gesicherter „Schalter“ im Gehirn. Seine praktische Stärke liegt in fokussierter Erinnerung, mentaler Probe und bewusster Zustandsregulation. Er eignet sich etwa zur Vorbereitung auf Präsentationen oder schwierige Gespräche. Bei traumatischen Erinnerungen oder psychischer Instabilität gehört die Arbeit in entsprechend qualifizierte Hände.
„Change Personal History“ ist ein NLP-Format, bei dem belastende frühere Erfahrungen aus heutiger Perspektive betrachtet und mit damals fehlenden Ressourcen verbunden werden. Timeline-Arbeit ist ein weiter gefasster Begriff für Methoden, bei denen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft räumlich oder innerlich als Zeitlinie dargestellt werden.
Im Coaching wird zunächst ein heutiges Muster oder eine wiederkehrende Reaktion geklärt. Der Coachee kann auf einer gedachten Zeitlinie frühere Situationen aufsuchen, deren damalige Bedeutung untersuchen und überlegen, welche Fähigkeiten, Informationen oder Unterstützung ihm gefehlt haben. Anschließend wird imaginativ erprobt, wie sich die Erinnerung und heutige Reaktion verändern, wenn diese Ressourcen hinzukommen.
Die Vergangenheit wird dadurch nicht tatsächlich verändert. Verändert werden können die heutige Bewertung, die emotionale Distanz und die Bedeutung, die eine Erinnerung für gegenwärtiges Handeln hat. Diese Präzisierung ist wichtig, damit Coaching nicht falsche Erinnerungen erzeugt oder historische Tatsachen umdeutet.
Für alltägliche Lern- und Entwicklungsthemen kann Timeline-Arbeit anregend sein. Bei Trauma, schweren psychischen Belastungen oder Erinnerungslücken ist besondere Zurückhaltung nötig; dann ist Coaching nicht das geeignete Behandlungsformat.
Systemisches Coaching, NLP und Aufstellungsarbeit
NLP steht für Neurolinguistisches Programmieren. Der Ansatz entstand in den 1970er-Jahren in den USA und wurde vor allem durch Richard Bandler und John Grinder bekannt. Sie untersuchten Kommunikations- und Veränderungsmuster erfolgreicher Therapeuten, darunter Virginia Satir, Fritz Perls und Milton Erickson, und versuchten, daraus lehrbare Modelle abzuleiten. 1975 erschien „The Structure of Magic I“.
Zum NLP gehören heute sehr unterschiedliche Modelle und Formate, etwa Reframing, Ankern, Arbeit mit inneren Bildern, Wahrnehmungspositionen, Sprachmustern und Zielvorstellungen. Manche dieser Werkzeuge ähneln Interventionen, die auch in anderen Beratungsansätzen vorkommen.
Der wissenschaftliche Status muss differenziert betrachtet werden. Die großen theoretischen Behauptungen des NLP – insbesondere vereinfachte Zuordnungen von Sprache, Blickbewegungen oder „Repräsentationssystemen“ – sind empirisch nicht ausreichend belegt. Systematische Übersichten finden nur geringe und qualitativ schwache Evidenz für NLP als umfassendes Gesundheits- oder Therapieverfahren. Das bedeutet nicht, dass jede einzelne Übung nutzlos ist. Es bedeutet, dass Nutzen und Grenzen einzelner Interventionen ohne überzogene neurologische oder therapeutische Versprechen beurteilt werden sollten.
Systemisches Coaching betrachtet einen Menschen nicht isoliert, sondern in seinen Beziehungen, Rollen und Kontexten. Ein berufliches Problem wird beispielsweise auch im Zusammenspiel mit Team, Führung, Organisation, Erwartungen und bisherigen Lösungsmustern untersucht. Der Ansatz ist ressourcen- und lösungsorientiert und geht davon aus, dass Wirklichkeit unterschiedlich wahrgenommen und gedeutet wird.
Typische systemische Arbeitsweisen sind zirkuläre Fragen, Perspektivwechsel, Hypothesen, Reframing, Skalierungen, Auftragsklärung und die Visualisierung von Beziehungen. Der Coach versteht seine Deutung nicht als objektive Wahrheit, sondern als Angebot, das neue Sichtweisen ermöglichen kann.
NLP richtet den Blick häufig stärker auf subjektive Erfahrung, Sprache, innere Bilder und das gezielte Verändern von Zuständen oder Mustern. Systemisches Coaching fragt stärker nach Wechselwirkungen, Kontext und Funktion eines Verhaltens im jeweiligen System. In der Praxis gibt es Überschneidungen, und viele Coaches arbeiten integrativ.
Ein wesentlicher Unterschied liegt in der theoretischen Einordnung: Systemische Therapie ist in Deutschland als Psychotherapieverfahren wissenschaftlich anerkannt; daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass jede systemische Coachingmethode wissenschaftlich belegt ist. NLP ist kein einheitlich reguliertes oder insgesamt evidenzbasiertes Verfahren. Seriöse Coaches benennen deshalb ihre methodische Herkunft und versprechen keine Wirkung, die nicht belegt ist.
Aufstellungsarbeit macht Beziehungen oder innere Strukturen räumlich sichtbar. Personen, Rollen, Ziele, Gefühle oder Teile einer Organisation werden durch Menschen, Figuren, Karten oder Bodenanker repräsentiert. Abstände, Blickrichtungen und Positionen dienen als Ausgangspunkt für Wahrnehmung und Reflexion.
Im Einzelcoaching kann ein Coachee selbst verschiedene Positionen einnehmen oder mit Figuren arbeiten. In Gruppen übernehmen andere Teilnehmer vorübergehend Repräsentantenrollen. Der Erkenntniswert entsteht vor allem durch Externalisierung, Perspektivwechsel, Körperwahrnehmung und neue Hypothesen. Eine Aufstellung kann zeigen, wie der Coachee ein System innerlich erlebt – nicht, wie das System objektiv „wirklich“ ist.
Seriös ist Aufstellungsarbeit, wenn Auftrag und Grenzen klar sind, Teilnahme freiwillig bleibt, der Coach keine dramatischen Wahrheiten verkündet und Ergebnisse gemeinsam überprüft werden. Ableiten lassen sich Fragen, subjektive Bedeutungen, mögliche Beziehungsmuster und Handlungsoptionen. Nicht seriös ist es, aus einer Aufstellung Tatsachen über abwesende Personen, Schuld, Krankheiten, Missbrauch oder angebliche Familiengeheimnisse zu behaupten.
Besondere Vorsicht ist bei Trauma, psychischer Instabilität und stark suggestiven Gruppensettings geboten. Der Coach muss Überforderung erkennen, stabilisieren können und gegebenenfalls an therapeutische Fachpersonen verweisen.
Der Ausdruck „morphogenetisches Feld“ wird in der Aufstellungsszene häufig verwendet, um zu erklären, weshalb Repräsentanten Gefühle oder Impulse erleben, obwohl sie die dargestellten Personen nicht kennen. Dabei wird oft auf Rupert Sheldrakes Hypothese morphischer Felder oder morphischer Resonanz Bezug genommen.
Als naturwissenschaftlich nachgewiesene Erklärung ist diese Hypothese nicht anerkannt. Es gibt keinen belastbaren Beleg dafür, dass ein unsichtbares Feld Informationen über Familien oder Organisationen überträgt. Deshalb wäre die Aussage „Das morphogenetische Feld wirkt“ für eine seriöse Coachingseite zu stark.
Dass Menschen in Aufstellungen dennoch eindrückliche Erfahrungen machen, lässt sich ohne ein solches Feld erklären: Sie reagieren auf räumliche Anordnung, Körpersprache, Erwartungen, minimale Hinweise, Rollenangebote, eigene Erfahrungen und Gruppendynamik. Sie bilden spontan Hypothesen und Bedeutungen. Diese Prozesse können überraschende Perspektiven eröffnen, sind aber anfällig für Suggestion und Bestätigungsfehler.
Eine verantwortliche Haltung lautet daher: Das Erleben wird ernst genommen, aber nicht mystifiziert. Äußerungen von Repräsentanten sind Impulse, keine Beweise. Entscheidend ist, ob der Coachee daraus eine nachvollziehbare, hilfreiche und in seiner realen Lebenswelt überprüfbare Erkenntnis gewinnt.
Resilienz, Leitbild und erlebnisorientiertes Coaching
Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, Belastungen zu bewältigen, sich anzupassen und nach Krisen wieder handlungsfähig zu werden. Sie ist keine angeborene Unverwundbarkeit und bedeutet nicht, alles allein aushalten zu müssen. Resilienz entsteht im Zusammenspiel von persönlichen Fähigkeiten, Beziehungen, Ressourcen und Rahmenbedingungen.
Im Coaching ist das Thema relevant, weil Veränderung fast immer Unsicherheit mit sich bringt. Coachees müssen Rückschläge einordnen, Prioritäten setzen, Unterstützung nutzen und auch unter Druck Entscheidungen treffen. Coaching kann Selbstwirksamkeit, realistischen Optimismus, Emotionsregulation, Lösungsorientierung und soziale Ressourcen stärken.
Dabei darf Resilienz nicht zur Individualisierung struktureller Probleme missbraucht werden. Ein Mitarbeiter kann nicht jedes dauerhaft überlastende System durch Atemübungen kompensieren. Professionelles Coaching betrachtet deshalb sowohl persönliche Einflussmöglichkeiten als auch Arbeitsbedingungen, Grenzen und notwendige Veränderungen im Umfeld.
Resilienzarbeit ist präventiv und entwicklungsorientiert. Bei schweren psychischen Symptomen, anhaltender Erschöpfung oder Traumafolgen braucht es zusätzlich oder vorrangig medizinische beziehungsweise psychotherapeutische Hilfe.
Denken, Fühlen und Handeln finden nicht unabhängig vom Körper statt. Schlafmangel, Bewegungsmangel, chronischer Stress, Schmerzen oder fehlende Erholung beeinflussen Konzentration, Impulskontrolle, Stimmung und Entscheidungsfähigkeit. Wer als Coach nur an Gedanken und Zielen arbeitet, übersieht möglicherweise einen wesentlichen Teil der Belastungssituation.
Körperliche Resilienz meint keine medizinische Behandlung durch den Coach. Sie bedeutet, grundlegende körperliche Ressourcen mitzudenken: Schlaf und Regeneration, angemessene Bewegung, Pausen, Atmung, Ernährung, Belastungsgrenzen und ärztlich abzuklärende Beschwerden. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen Bewegung, Schlafqualität, psychischem Wohlbefinden und Resilienz; aus solchen Zusammenhängen dürfen jedoch keine individuellen Heilversprechen abgeleitet werden.
Im Coaching können Fragen hilfreich sein wie: Woran merken Sie körperlich, dass Ihre Belastungsgrenze näher rückt? Welche Routinen geben Ihnen Energie? Was braucht Ihr Körper vor einer schwierigen Entscheidung? Der Coach unterstützt Wahrnehmung und Selbstfürsorge, diagnostiziert aber nicht und gibt ohne entsprechende Qualifikation keine Therapie- oder Ernährungspläne vor.
Pferdegestütztes Coaching ist eine Form erlebnisorientierten Lernens. Der Coachee bearbeitet ein Anliegen in angeleiteten Übungen mit einem Pferd, meist vom Boden aus. Reiten ist dafür nicht erforderlich. Themen können Führung, Präsenz, Grenzen, Vertrauen, Kommunikation oder Zusammenarbeit sein.
Pferde reagieren unmittelbar auf Bewegung, Abstand, Spannung und Klarheit im Verhalten. Diese Reaktion kann dem Coachee eine konkrete Erfahrung ermöglichen: Wie trete ich in Kontakt? Wie klar ist meine Absicht? Was geschieht, wenn ich Druck erhöhe oder loslasse? Die anschließende Reflexion überträgt die Beobachtung auf den Alltag.
Das Pferd „diagnostiziert“ jedoch keine Persönlichkeit und liest nicht magisch die Wahrheit eines Menschen. Sein Verhalten hat viele mögliche Ursachen, darunter Training, Umgebung, Tagesform und die Situation selbst. Der Coach sollte Beobachtung und Deutung daher sauber trennen.
Die Forschung zu pferdegestütztem Lernen und Führung entwickelt sich, ist aber noch begrenzt und methodisch uneinheitlich. Seriöse Angebote verbinden Coachingkompetenz, Pferdesachkunde, Tierwohl, Sicherheit, Freiwilligkeit und eine sorgfältige Auswertung. Die Wirkung entsteht aus Erfahrung und Reflexion – nicht aus mystischen Zuschreibungen an das Tier.
Ein Leitbild beschreibt, wofür eine Person, ein Team oder eine Organisation steht und woran zukünftiges Handeln ausgerichtet werden soll. Es verbindet typischerweise Zweck oder Mission, Zukunftsbild, Werte und grundlegende Handlungsprinzipien. Ein gutes Leitbild ist kein Werbespruch, sondern eine Orientierung für Entscheidungen.
Der Entwicklungsprozess beginnt mit einer Bestandsaufnahme: Was prägt uns heute? Was soll bleiben, was sich verändern? Danach werden relevante Anspruchsgruppen, zentrale Werte, Auftrag und gewünschte Zukunft geklärt. Entwürfe werden verdichtet, anhand realer Entscheidungssituationen geprüft und schließlich in konkrete Verhaltensbeispiele übersetzt. Beteiligung ist besonders in Organisationen entscheidend; ein von oben formulierter Text wird selten lebendig.
Im Coaching kann Leitbildarbeit Einzelpersonen bei beruflicher Positionierung und Lebensentscheidungen unterstützen. Teams und Führungskräfte nutzen sie, um gemeinsame Richtung, Zusammenarbeit und Prioritäten zu klären. Relevant wird das Leitbild erst im Alltag: Welche Entscheidung fällt dadurch anders aus? Welches Verhalten wird erwartet? Woran merken Mitarbeiter und Kunden, dass die formulierten Werte tatsächlich gelten?
Konfliktklärung und Zusammenarbeit
Friedrich Glasl ist vor allem für sein Modell der Konflikteskalation bekannt. Es beschreibt neun Stufen – von Verhärtung und Debatte über Koalitionen und Gesichtsverlust bis zur gemeinsamen Zerstörung. Die Stufen sind zu drei Bereichen gebündelt: Win-win, Win-lose und Lose-lose. Das Modell dient der Diagnose: Wie weit ist ein Konflikt eskaliert, und welche Form externer Unterstützung ist noch realistisch?
Karl Berkel steht für eine praxisnahe Konfliktanalyse und konstruktive Konfliktbearbeitung. Sein „Konflikttraining“ behandelt unter anderem Konfliktarten, Wahrnehmung, emotionale Dynamik, Gesprächsvorbereitung und den Ablauf eines konstruktiven Konfliktgesprächs. Im Mittelpunkt steht stärker die Frage, wie Beteiligte Konflikte verstehen und im direkten Gespräch bearbeiten können.
Vereinfacht gesagt hilft Glasl besonders bei der Einschätzung der Eskalationsdynamik und der Wahl einer angemessenen Intervention. Berkel bietet stärker handlungsorientierte Zugänge zur Analyse, Selbstklärung und Gesprächsführung. Die Ansätze widersprechen sich nicht, sondern ergänzen sich: Zuerst kann geklärt werden, wie eskaliert ein Konflikt bereits ist. Danach wird entschieden, ob ein direktes Gespräch, Moderation, Mediation oder eine verbindlichere externe Instanz erforderlich ist.
Prägende Autoren und Ansätze
Brené Brown ist eine US-amerikanische Sozialwissenschaftlerin und Autorin. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen Verletzlichkeit, Scham, Empathie, Mut und Zugehörigkeit. Sie macht deutlich, dass Verletzlichkeit nicht mit Schwäche gleichzusetzen ist, sondern mit der Bereitschaft, sich trotz Unsicherheit, Risiko und emotionaler Sichtbarkeit einzubringen.
Für Coaching und Führung ist besonders ihr Ansatz „Dare to Lead“ relevant. Mutige Führung verbindet nach Brown Verletzlichkeit, gelebte Werte, Vertrauen und die Fähigkeit, nach Rückschlägen wieder aufzustehen. Verletzlichkeit bedeutet dabei nicht grenzenloses Offenlegen privater Gefühle. Es geht um die Fähigkeit, Unsicherheit auszuhalten, schwierige Gespräche zu führen, Fehler einzugestehen und zugleich Verantwortung zu übernehmen.
Ihre Arbeit bietet im Coaching eine Sprache für Scham, Perfektionismus, Zugehörigkeit und werteorientiertes Handeln. Wichtig ist, populäre Aussagen nicht als universelle Rezepte zu verwenden, sondern den jeweiligen Kontext des Coachees zu berücksichtigen.
Leo Babauta ist der Autor des Blogs „Zen Habits“. Er steht für Vereinfachung, Achtsamkeit, Gewohnheitsveränderung und einen freundlicheren Umgang mit den eigenen Ansprüchen. Seine Texte verbinden praktische Selbstorganisation mit der Frage, wie Menschen bewusster und mit weniger Überforderung leben können.
Statt Veränderung ausschließlich über Willenskraft zu denken, richtet Babauta den Blick auf kleine Schritte, reduzierte Komplexität und wiederholte Übung. Für Coaching ist daran besonders interessant, dass Ziele nicht nur größer und ehrgeiziger werden müssen. Manchmal entsteht Entwicklung dadurch, Unwesentliches loszulassen, eine Gewohnheit klein genug zu beginnen und Rückfälle als Teil des Lernens zu verstehen.
Babautas Arbeit ist keine psychologische Theorie oder Therapie. Sie liefert alltagsnahe Impulse, die im Coaching geprüft und an die Lebenswirklichkeit des Coachees angepasst werden können.
Anthony „Tony“ Robbins ist ein US-amerikanischer Autor, Unternehmer und Motivationstrainer. Bekannt wurde er durch Großveranstaltungen, Bücher und Programme zu persönlicher Veränderung, Leistungsfähigkeit, Führung, Beziehungen und finanziellen Zielen. Seine Arbeit ist stark handlungs-, ziel- und zustandsorientiert und wurde unter anderem vom NLP beeinflusst.
Robbins steht für die Idee, dass Menschen durch Veränderung von Fokus, Bedeutung, körperlichem Zustand und konsequentem Handeln mehr Einfluss auf ihr Leben gewinnen können. Viele seiner Formate arbeiten mit hoher emotionaler Aktivierung und eindrucksvollen Inszenierungen.
Für eine Coaching-Ausbildung ist eine differenzierte Einordnung wichtig: Seine Energie, Zielorientierung und Betonung persönlicher Verantwortung können inspirieren. Zugleich sind Motivationsevents nicht mit professionellem, klientenzentriertem Coaching gleichzusetzen. Große Versprechen, starke Vereinfachungen und einzelne nicht wissenschaftlich belegte Annahmen sollten kritisch geprüft werden.
Veit Lindau ist ein deutscher Autor, Coach und Anbieter von Programmen zur persönlichen und spirituellen Entwicklung. Er beschreibt seinen Ansatz als integrale Selbstverwirklichung und verbindet Themen wie Bewusstsein, Beziehungen, Berufung, Werte, Schattenarbeit und gesellschaftliche Verantwortung.
Für viele Menschen liegt die Anziehungskraft seiner Arbeit in einer direkten, emotionalen Sprache und der Verbindung von innerer Entwicklung mit konkreter Lebensgestaltung. Im Coaching können seine Impulse Fragen nach Sinn, Eigenverantwortung, Verbundenheit und authentischem Handeln anregen.
Auch hier ist eine klare Einordnung sinnvoll: Lindau vertritt einen eigenen, weltanschaulich geprägten Ansatz und keine allgemein verbindliche Coachingtheorie. Einzelne Gedanken können als Impulse dienen; sie sollten weder als wissenschaftlich gesicherte Aussagen noch als Ersatz für medizinische oder psychotherapeutische Behandlung verstanden werden.
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Ich habe mich für diese Coachingausbildung entschieden, weil die inhaltlichen Themen allumfassend sind. Das IHK Zertifikat und die Möglichkeit des Beitritts beim ICF haben auch eine Rolle gespielt. Ebenso ist der Praxisbezug und die Stundenzahl des Coachings ein ausschlaggebender Punkt gewesen. Die Ausstrahlung von Frau Lindenau, sowie das erste Treffen haben mich endgültig überzeugt. Der Unterschied zu anderen: Praxisbezug, Anerkennung IHK und ICF, inhaltliche Diversität
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