Mut, sich zu zeigen – was ich von Brené Brown gelernt habe
Wie die Forschung über Verletzlichkeit meine Coaching-Haltung vertieft hat
Schon viele Jahre bevor ich zum ersten Mal von Brené Brown hörte, waren Themen wie Selbstreflexion, Authentizität und achtsame Kommunikation zentraler Bestandteil meiner Arbeit als Coach und Trainerin. Doch eines Abends im Jahr 2010 erlebte ich etwas, das mich tief berührte – und meiner Haltung im Coaching weitere Tiefe schenkte.

👉 „Ja, genau das ist der Kern echter Entwicklung.“
Brené Brown sprach nicht über Techniken oder Methoden, sondern über den Mut, sich zu zeigen – mit Unsicherheiten, Zweifeln, Imperfektion. Sie sprach über die Kraft der Verletzlichkeit als Fundament von Vertrauen, Kreativität und Verbindung.
Das, was ich bis dahin intuitiv in meiner Arbeit gelebt hatte, bekam durch ihre Forschung Worte, Tiefe und wissenschaftliche Klarheit.
Verletzlichkeit als Haltung – nicht als Methode
Ich habe kurz darauf an einem Livekurs von Brené Brown und Oprah Winfrey teilgenommen, basierend auf dem Buch The Gifts of Imperfection. Es war ein globales Lernereignis – Millionen Menschen, die gleichzeitig über Mut, Scham und Selbstwert reflektierten. Und obwohl ich schon seit vielen Jahren im Coaching und Training tätig war, hatte diese Erfahrung eine besondere Qualität: Sie verband Forschung, Emotion und Menschlichkeit auf eine Weise, die mich nachhaltig geprägt hat.
Ich verstand noch klarer, dass Verletzlichkeit kein „Tool“ ist, sondern eine Haltung, die in jedem echten Coachingprozess mitschwingt. Coaching ist nicht die Kunst, immer die perfekte Frage zu stellen, sondern die Fähigkeit, mit echtem Interesse, Empathie und Mut im Moment zu bleiben – auch wenn dieser Moment unbequem ist.
Brené Brown in der Ausbildung an der LBCA
Diese Erkenntnisse fließen heute in unsere Coachingausbildung an der Life & Business Coaching Academy (LBCA) ein. Im Modul 3 – meinem persönlichen Herzensmodul – arbeiten wir intensiv mit Brené Browns Konzepten aus Dare to Lead und The Gifts of Imperfection. Vorbereitet wird dieses Modul durch den Psychotherapeuten Dr. Frisch, der mit den Teilnehmenden über Glaubenssätze, Abgrenzung und den Unterschied zwischen Coaching und Therapie arbeitet.
Darauf aufbauend gehen wir tiefer – in die Themen Scham, Mut, Verletzlichkeit und Selbstmitgefühl.
Denn wer andere begleiten will, muss lernen, sich selbst zu halten, bevor er oder sie andere halten kann. Das ist für mich der Kern professionellen Coachings.
Warum dieser Aspekt für Coaches so wichtig ist
In jedem Coachingprozess geht es um Beziehung – und Beziehung braucht Vertrauen. Vertrauen entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Echtheit. Ein Coach, der seine eigenen Anteile kennt, kann andere mit mehr Klarheit, Respekt und Tiefe begleiten. Wer gelernt hat, mit Scham, Unsicherheit oder Angst umzugehen, wird zu einem Spiegel, der Sicherheit und Entwicklung ermöglicht.
Das bedeutet nicht, dass Coaches ihre eigenen Themen in den Mittelpunkt stellen – sondern, dass sie gelernt haben, mit Menschlichkeit präsent zu bleiben. Diese Haltung verändert nicht nur Coachingprozesse, sondern auch Führung, Beziehungen und Kommunikation im Alltag.
Ein Modul, das bleibt
Viele Teilnehmende berichten, dass Modul 3 sie besonders tief bewegt. Manche sagen: „Ich habe in dieser Einheit mehr über mich gelernt als in den Jahren davor.“ Und das ist genau die Intention: Nicht, perfekt zu werden – sondern echt. Mutig zu sein, sich selbst zu zeigen, und den eigenen Wert zu erkennen, auch wenn man nicht alles „im Griff“ hat.
In einer Welt, die oft Leistung und Kontrolle feiert, ist Verletzlichkeit der wohl mutigste Akt von Führung – im Coaching, im Leben, in Beziehungen.
Fazit:
Verletzlichkeit ist kein Risiko – sie ist eine Einladung. Eine Einladung, sich selbst mit mehr Mitgefühl zu begegnen und dadurch die Tiefe zu entwickeln, die andere spüren. Brené Browns Arbeit hat mir gezeigt: Mut ist nicht, keine Angst zu haben. Mut ist, trotz der Angst echt zu bleiben.